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Junge Vermesser der FHWS erheben Daten einer antiken hellenistischen Stadt in der Türkei
Interdisziplinäres und internationales DFG-Projekt: Flächenbetrachtung der Siedlungsstruktur ab 800 v. Chr.

„Aufgrund des großen Andrangs entschied das Los darüber, wer mitfahren durfte“, so schildern die Studenten Tobias Schudt und Jakob Geipel das Anmeldeverfahren zur Teilnahme an einem internationalen, interdisziplinären Projekt des Studienganges Vermessung und Geoinformatik in der Türkei. Das Forschungsprojekt beschäftigt sich mit den Strukturen der Siedlung, Wirtschaft und Politik in hellenistischer Zeit im Zeitraum ab etwa 800 v.Chr. Aufgabe der Studierenden der Hochschule für angewandte Wissenschaften Fachhochschule Würzburg-Schweinfurt ist es, die archäologischen Funde in Bybassos und Kastabos zu vermessen, zu kartieren, in Bestandspläne einzuarbeiten und in geeigneter Form — z.B. durch Visualisierung in Google Earth — darzustellen.
„Zunächst“, so die Studenten Stefan Steininger und Andreas Wismeth, „bestand die Aufgabe darin, den Heiligtumsbezirk Kastabos aufzumessen. Dort waren ein verschüttetes Theater, eine Tempelterrasse und jede Menge weitere, sichtbare Bebauung aufzunehmen. So haben wir zunächst Festpunkte vermarkt und mit GPS ein Grundlagennetz gemessen. Nachdem diese Messungen abgeschlossen waren, konnten wir mit der Aufnahme beginnen.“ Die Bedingungen zum Messen gestalteten sich nicht immer einfach: Über 40 Grad Hitze, aggressive Bienen und Dornenlianen prägten ebenso den Vermesser-Alltag vor Ort wie Abschattungen im GPS-Empfang durch Gebüsch und Hermeseichen am Hang. Das Handicap, dass, wie es Elisabeth Riepel und Torsten Buchwald erzählen, „uns noch das Auge für die Mauern fehlte“, wurde durch gemeinsame Geländebegehungen mit den Archäologen wettgemacht. Doch das Fazit der teilnehmenden Studierenden ist durchweg positiv: „Es war für uns eine interessante Erfahrung, einmal in einem anderen Land mit einem internationalen Team unter völlig anderen Bedingungen zu messen.“
Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt „Vom Karischen Bund zur griechischen Polis. Archäologischer Survey in Bybassos und Kastabos auf der Karischen Chersones“ wird von Professor Dr. Winfried Held vom Archäologischen Seminar der Philipps-Universität Marburg geleitet. Das Forscherteam ist interdisziplinär aufgestellt und setzt sich — neben den Archäologen — aus Fachleuten aus den Bereichen Vermessung mit Professor Dr. Rolf Hollmann von der FHWS, Architektur (BTU Cottbus), Unterwasser-Archäologie (New York), Christliche Archäologie (Erlangen-Nürnberg) sowie Geophysik zusammen und wird in Kooperation mit der türkischen Ege-Universität in Izmir durchgeführt. Professor Dr. Hollmann: „Die Karische Chersones — eine Halbinsel im Südwesten Kleinasiens — war in der Antike ein politisch eigenständiger Bund aus ca. 20 kleinen Siedlungen. Mit dem Projekt werden die Strukturen von Siedlung, Wirtschaft und Politik auf der Halbinsel sowie die Selbstdarstellung der Chersonesier in hellenistischer Zeit erforscht. Die seit 2006 jährlich stattfindenden archäologischen Feldarbeiten werden vermessungstechnisch jeweils durch zwei bis drei Studenten des Studiengangs Vermessung und Geoinformatik unterstützt.“
(Informationen zum Projekt können > hier als PDF abgerufen werden sowie unter > www.poliskultur.de.)
Nach der ersten erfolgreichen Kooperation hat die DFG ein zweites Projekt bewilligt mit dem Thema „Der Donuk-Tas in Tarsos“, dessen Leitung die Professoren Dr. Ansgar Brunn und Dr. Rolf Hollmann von der FHWS sowie Dr. Winfried Held von der Philipps-Universität Marburg übernehmen werden. In der antiken türkischen Stadt Tarsos (heute Tarsus) sind u.a. Statuen, ein Gedenkstein und das ‘Kleopatra-Tor‘ erhalten. Der „Donuk Tas “, so Brunn, sei ein antiker Tempel, auch als „Grab des Sardanapal“ bekannt, mit einer enormen Größe. Ziel der Vermessung wird es sein, mit modernen geodätischen Methoden wie Photogrammetrie und dem Laserscanning eine Rekonstruktion und Interpretation dieses kolossalen Baudenkmals zu schaffen.
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